Absurde Rudolf-Hess-Reliquien oder Objekte der Aufarbeitung?

Die Zitadelle Spandau zeigt in ihrer Ausstellung „Spandau Prison“ erstmals der Öffentlichkeit zugängliche Objekte aus dem Besitz von Rudolf Hess. 

In der Ausstellung „Spandau Prison“ auf der Zitadelle Spandau sind ab sofort und noch bis zum 17.5.2026 Dinge zu sehen, die es eigentlich nicht geben dürfte: Private Besitztümer von Rudolf Hess, Gebrauchsgegenstände sowie heimlich fotografierte Innenaufnahmen aus dem Kriegsverbrechergefängnis werden erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Nach dem Suizid von Rudolf Hess 1987 wurde das Kriegsverbrechergefängnis dem Erdboden gleichgemacht, um einen (Neo-) Nazi-Wallfahrtsort zu verhindern. Auch persönliche Gegenstände des letzten Insassen sollten möglichst vernichtet oder ausschließlich der Familie übergeben werden. Doch ist der Handel mit Relikten des Alliiertengefängnisses seit Jahrzehnten ungebrochen. So konnte das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden vor einiger Zeit ein Konvolut von nun nachgewiesenermaßen originalen Gegenständen übernehmen.

 
Nach historischer Recherche und restauratorischer Bearbeitung durch das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden bzw. der Außenstelle Flugplatz Berlin-Gatow werden die Objekte auf der Zitadelle Spandau nun erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und die Besucherinnen und Besucher gebeten, ihre Meinung mitzuteilen: Sind diese Objekte historisch wichtig und sollen ausgestellt werden – oder nicht?

Folgende Objekte sind ab sofort in „Spandau Prison“ zu sehen:


Ein Besteckset – bestehend aus Messer, Gabel, Löffel, Teelöffel und einem Fischmesser – ist aus deutscher Produktion. Vorne ist eingeprägt „All. Gef.“ für Alliierten Gefängnis, hinten „Anemone / rostfrei /stainless / нержавеющий /Germany /Alemania“.

Die braune Schürze aus Wachstuch trug Hess vermutlich zur Gartenarbeit, solange er sich damit noch beschäftigen konnte. In den letzten Jahren seines Lebens nutzte er den Garten nur noch für Spaziergänge.

Während ihrer Gefangenschaft waren den Kriegsverbrechern diverse Annehmlichkeiten erlaubt, so etwa das Lesen und der Besitz von Büchern. Die Signatur außen „HE“ bedeutet, dass diese Bücher Privatbesitz von Hess waren. Innen ist neben seinem Namenszug immer der Stempel „Spandau Allied Prison“ zu finden. Die hier ausgestellten Bücher stammen zum großen Teil aus der Zeit, als Hess nach seinem „Englandflug“ in den 1940er Jahren in britischer Gefangenschaft war.

Zusätzlich zu den Hess-Objekten werden eine OP-Haube und ein benutztes Patientenhemd gezeigt, Stempel weisen sie als Bestand der Krankenstation im „Spandau Prison“ aus.

Zu dem Konvolut, das nun im Besitz des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr ist, gehören eine Reihe von äußerst seltenen Innenaufnahmen. Der Fotograf war ein US-amerikanischer Gefängniswärter namens Mark G. Pikl. Insbesondere an den verwackelten Bildern ist zu erkennen, dass die Fotos unerlaubt und heimlich entstanden sind.
 
In der Ausstellung „Spandau Prison“ sind nun erstmalig Fotos von der Bibliothek, Gefängnisgängen und dem eigens für Rudolf Hess errichteten Gartenhaus zu sehen. In diesem Gartenhaus erhängte sich Rudolf Hess mit Hilfe eines Verlängerungskabels am 29. Juni 1987.

Informationen auf einen Blick:
Name der Ausstellung: 
Spandau Prison. 1877 – 1987

Laufzeit der Ausstellung: 15.8.2025 – 17.05.2026

Ort:  Zitadelle Spandau, Am Juliusturm 64, 13599 Berlin-Spandau

Bezirksamt Spandau von Berlin

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